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Unsere Namensgeberin

Eine Kurzbiographie

„Der ‚Trümmerfrau‘ hat man ein Denkmal gesetzt. Der Frau, die an sichtbarster, schwierigster und verantwortungsvollster Stelle aus den Trümmern das neue Berlin aufbauen half, wird die Geschichte das Denkmal setzen.“ (Otto Suhr 1957)

In einer „Spiegel“-Umfrage aus dem Jahr 1949 nach den „bedeutendsten Deutschen von heute“ landete Louise Schroeder noch vor Max Brauer und Ernst Reuter.

Wer war Louise Schroeder, die Namensgeberin unserer Schule, der ihre Zeitgenossen eine solche Bedeutung beimaßen und die heute fast vergessen scheint?

Louise Dorothea Sophie Schroeder, geboren am 2. April 1887, war das jüngste von vier überlebenden Geschwistern einer Arbeiterfamilie in Altona. Eine höhere Schulbildung blieb ihr verwehrt. Nur durch die finanzielle Unterstützung ihrer Schwester war ihr zumindest der Besuch der Mittelschule und anschließend der kaufmännischen Gewerbeschule für Mädchen in Hamburg möglich. Mit 16 Jahren musste Louise Schroeder ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Sie ging nach Hamburg zu einer Versicherungsgesellschaft, bei der sie 17 Jahre beschäftigt blieb. In dieser Zeit gelang es ihr innerhalb weniger Jahre, sich von einer einfachen Bürokraft zur Chefsekretärin hochzuarbeiten.

Im Jahr 1910 — mit 23 Jahren — trat Louise Schroeder offiziell der SPD bei, zu einer Zeit, die geprägt war von einem traditionellen Rollenbild der Frau ausschließlich als Ehefrau und Mutter. Einer Zeit, in der politisch engagierte Frauen als enttäuschte „alte Jungfern“ diffamiert wurden.

Doch Louise Schroeder konnte überzeugen und wurde 1919 als Abgeordnete in die Nationalversammlung gewählt. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildete dabei ihr Einsatz für die Rechte der Frauen und Mütter, was schließlich zur Einführung des ersten Mutterschutzgesetzes in Deutschland führte, zur „Lex Schroeder“.

1919 war sie in ihrer Partei ebenfalls maßgeblich an der Entstehung des „Ausschuss für soziale Fürsorge“ beteiligt, eines Vorläufers der später von Marie Juchacz und Elfriede Ryneck in Berlin gegründeten „Arbeiterwohlfahrt“.

Als im Sommer 1933 die SPD und mit ihr alle zugehörigen Organisationen verboten wurden, verlor Louise Schroeder sämtliche Ämter und somit auch ihr Einkommen. Um sich und ihre Mutter zu versorgen, machte sie sich mit einem kleinen Brotladen selbständig. Doch ihr Einkommen blieb sehr gering. Da sie den „Hitlergruß“ verweigerte und an ihrem Laden an sogenannten „nationalen Feiertagen“ nicht die Hakenkreuzfahne hissen wollte, vertrieb man ihr die Kundschaft. Auch einen „Ariernachweis“ zu erbringen lehnte sie ab, weil sie darin eine Diskriminierung ihrer jüdischen Mitmenschen sah.

Inwieweit Louise Schroeder an der Arbeit des sozialdemokratischen Widerstands im engeren Sinne beteiligt war, ist in der Literatur umstritten, aber sie erkannte schon früh, welche Gefahren vom Nationalsozialismus ausgingen, und hat maßgelblich dazu beigetragen, dass die SPD-Reichstagsfraktion im März 1933 geschlossen gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte.

Da die Situation für Louise Schroeder in der Kleinstadt Altona immer schwieriger wurde, entschloss sie sich, nach Berlin umzuziehen. Hier hoffte sie in der Anonymität der Großstadt leichter untertauchen zu können. Gesundheitlich stark angeschlagen und mehrfach ausgebombt überlebte sie hier den Krieg.

An Schonung war jedoch nach Kriegsende für Louise Schroeder nicht zu denken. Sie, als erfahrene Politikerin, wurde zum Wiederaufbau der SPD in Berlin gebraucht. Da die SPD aus der ersten und (bis zur Wiedervereinigung auch einzigen) freien Wahl in ganz Berlin im Oktober 1946 als Sieger hervorging, hatte die SPD das Recht, den Oberbürgermeister und einen Stellvertreter zu stellen. Daraufhin wurde Louise Schroeder am 5. Dezember 1946 zum dritten Bürgermeister gewählt. Auch jetzt lagen Louise Schroeder vor allem wieder sozialpolitische Themen am Herzen.

Als sich der Oberbürgermeister Ostrowski als seiner Aufgabe nicht gewachsen erwies, erwirkte die SPD seinen Rücktritt. Louise Schroeder wurde daraufhin 1947 mit der Führung der Amtsgeschäfte des Oberbürgermeisters beauftragt, da der eigentlich gewählte Ernst Reuter vom Alliierten Kontrollrat nicht bestätigt wurde.

Ihr großes Ansehen bei der Bevölkerung erwarb Louise Schroeder während der Berliner Blockade. In dieser Zeit erhielt sie den Ehrentitel „Mutter Berlins“. Sie hatte für die Sorgen und Nöte „ihrer Berliner“ immer ein offenes Ohr und schaffte es, ihnen trotz aller Not wieder Hoffnung und Mut zu geben.

In der Zeit der Blockade vollzog sich auch die endgültige Trennung der Stadt und Ernst Reuter konnte nach der Wahl im Dezember 1948 das Amt des Oberbürgermeisters übernehmen. Louise Schroeder blieb bis 1951 Mitglied des Senats als Bürgermeisterin. Zudem wurde sie am 14. August 1949 als eine Vertreterin Berlins im Deutschen Bundestag bestimmt. Hier wurde es etwas ruhiger um sie, auch aufgrund ihrer schwachen Gesundheit, doch wenn ihr ein Thema am Herzen lag, schonte sie sich nicht, und nahm an den Sitzungen teil.

1949 war Louise Schroeder, die über viele politische Grenzen hinweg sehr geachtet wurde, ebenfalls ernsthaft als mögliche Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Da aber Zweifel bestanden, ob eine Kandidatin aus Berlin das passive Wahlrecht besaß, und auch Kurt Schuhmacher auf einer eigenen Kandidatur bestand, wurde Louise Schroeder nicht aufgestellt.

Anlässlich ihres 70. Geburtstages erhielt sie als erste Frau die Ehrenbürgerwürde von Berlin.

Am 4. Juni 1957 starb Louise Schroeder. Die Berliner Sender unterbrachen ihr Programm und erinnerten an die Leistungen Louise Schroeders. Als der Trauerzug anlässlich des Staatsbegräbnisses durch die Stadt zog, säumten tausende Menschen die Straße. Auf ihren Wunsch wurde ihre Asche auf dem Ottenser Friedhof in ihrer alten Heimatstadt Hamburg beigesetzt.

Das bisherige Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung gibt sich am 31. Mai 2012 einen neuen Namen

Viele Jahre — genauer gesagt von 1981 bis zum heutigen Tag — hat es gedauert, bis wir unserem doch eher sachlichen Schulnamen einen persönlichen Charakter verleihen. Nach einem längeren Findungs- und Vorbereitungsprozess wird unsere Schule ab 31. Mai 2012 den Namen der ehemaligen Berliner Oberbürgermeisterin und Ehrenbürgerin der Stadt Berlin Louise Schroeder tragen.
Hintergrund der Umbenennung ist die ver­änderte Schullandschaft seit der politischen Wende in Berlin. Das OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung wurde 1981 gegründet. Wie alle OSZs waren auch wir mit unseren Ausbildungsberufen in Berlin einzigartig. Heute gibt es vier Oberstufenzentren in Berlin, die Büroberufe ausbilden. Durch die Umbenennung erhalten wir unsere „Einmaligkeit“ wieder zurück.

Im Rahmen dieses keineswegs alltäglichen Festakts der Namensgebung bzw. Umbenennung wird der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, persönlich ein Grußwort an uns und unsere Gäste richten.

In diesem Zusammenhang wird der Regierende Bürgermeister Louise Schroeders Stellung in der Berliner Politik hervorheben.

„Sie war eine bedeutende sozialdemokratische Nachkriegspolitikerin. Beispielhaft waren ihr Einsatz für die Rechte der Frauen und ihr soziales Engagement.“

Unsere Schule ist stolz darauf, diesen Namen tragen zu dürfen.